Bericht in der Rundschau Nord: Eintauchen in eine andere Welt

«Die Macht der Spiegel» heisst das neue Stück des Kinder- und Jugendtheaters Turgi.

CLAUDIA LAUBE

Dieses Theaterstück ist ein Gemeinschaftswerk von Kindern und Jugendlichen zwischen fünf und 18 Jahren und dem Leiterteam. Nun stehen sie kurz vor der ersten Aufführung und stecken viel von ihrer Freizeit in das intensive Hobby. Von der Leiterin Rebekka Renggli über ihre Schwester Jenny Zurkinden und deren Mann und Musiker Vincent Zurkinden bis zur Beleuchterin Bea Betschart, sie alle engagieren sich für das Kinder- und Jugendtheater ohne jegliches Entgelt. Sie investieren ihre Zeit, weil sie es lieben, mit den Kindern und Jugendlichen neue Welten zu erkunden und einzutauchen.

Diese Welt auf der Bühne, auf der die Kinder und Jugendlichen so gross und selbstbewusst wirken, sich ihre Kindlichkeit mit der Erwachsenenwelt vermischt, wo sie in ihrer Rolle aufgehen und sie fühlen – auch an der Hauptprobe.Das meint auf jeden Fall die Journalistin. Doch Rebekka Renggli ist ganz anderer Meinung: «Heute spielen sie also sehr lahm und geben nur 50 Prozent ihres Könnens», klärt sie auf und ruft auf die Bühne: «Geht in eure Rolle und sagt nicht nur den Text auf!» Bei manchen Dingen, die ihr während der Probe auffallen, macht sie sich lediglich Notizen. Andere muss sie gleich loswerden: «So können sie es sich besser merken und gleich anwenden.» Fast ein Jahr lang arbeiteten sie an der Geschichte, entwickelten gemeinsam die Herrscher, Länder und Lieder. Wie schon so einige vorhergehende Theaterstücke, so entstand auch dieses im Miteinander. Die Grösseren entwickelten die Charaktere, und die Kleineren erfanden die Umgebung dazu. «Und dann brauchte es ja noch eine Story. Die kam nach und nach zu den Herrschern und Ländern dazu», erzählt Renggli. Die Geschichte handelt von der Herrscherin, die mithilfe ihrer Spiegel in die anderen Länder ihrer vier Geschwister reisen kann. Diese herrschen über das Land der Bäume, das Land der Farben, das Land der Unersättlichen und das Land des Wassers. Eines Tages packt die Herrscherin der Spiegel die Gier, und sie lässt ihre wahre Macht spielen. Diese Rolle schneiderte sich die 16-jährige Sara aus Würenlingen selbst auf den Leib: «Ich erschuf eine arrogante Figur, weil ich schon immer einmal einen bösen Charakter spielen wollte.» Sie bezeichnet das Kinder-und Jugendtheater seit sechs Jahren als ihre zweite Familie. Obwohl: «Am Anfang war es schon komisch, auf der Bühne zu stehen und dabei angeschaut zu werden. Inzwischen kann ich aber einfach drauflos spielen», sagt sie lächelnd. Als während der Probe einem der kleineren Kinder schwindlig wird, muss es sich auf den Boden legen und die Beine hochlagern. Die Regisseurin kümmert sich liebevoll um ihn, fragt ihn, ob er etwas gegessen habe und weiss, was er jetzt braucht: «Zucker!» Der Kleine liegt kreideweiss am Boden und starrt an die Decke. Da drängt die Frage auf: Was passiert eigentlich, wenn eines der Kinder oder Jugendlichen an der Aufführung krank wird? «Dann stellen wir ein Bett hinter die Bühne», sagt Rebekka Renggli schmunzelnd. Nein, wenn es nicht geht, dann geht es halt nicht. Das Ziel des Theaterspiels sei nun mal auch: «Jeder sollte jede Rolle beherrschen können.» Bei der Professionalität, die die Kinder und Jugendlichen hier an den Tag legen, würde es nicht verwundern, wenn dem tatsächlich so ist.

TEXT UND BILDER: CLAUDIA LAUBE

19., 20., 26. und 27. November und 3. und 4. Dezember, 16 Uhr, MZH, Turgi Reservation: 079 647 44 94
Theaterkaffee: ab 15 Uhr

Macht der Spiegel – Rundschau 17-11-2016